27 Jahre Beginen Köln e.V.

Die Beginen-Idee, die nach ihrer Blütezeit im späten Mittelalter über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, wurde seit den 80-ger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Deutschland zu neuem Leben erweckt.
In Köln wurde 1994 unser Verein gegründet, dessen wechselvolle Geschichte hier kurz dargestellt wird.

1994 – 2000

Der am 17. März gegründete gemeinnützige Verein Beginen e.V. – Frauenunternehmen wächst schnell auf 50 Mitglieder an. Es sind Frauen, die sich selbst in abgesicherten Lebensverhältnissen befinden. Das Vereinsziel besteht darin, Firmen von Frauen zu gründen bzw. zu fördern, um dadurch abgesicherte Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen. Mit den Überschüssen aus diesen Unternehmen sollen autonome Frauenprojekte unterstützt werden.
Durch glanzvolle Benefizveranstaltungen versuchen sie, an finanzielle Mittel zu kommen und neue Mitfrauen zu werben. Dazu nutzen die Frauen ihre vielfältigen Verbindungen zu Schauspielerinnen und Kabarettistinnen, zu bildenden Künstlerinnnen und Musikerinnen.
In dieser ersten Phase bildet der Verein seine grundlegende Orientierung an den Grundwerten der Frauenbewegung aus. Die Unterstützung und Förderung von Frauen bleibt das zentrale Vereinsanliegen, ebenso die Verbindung zur Kunst und zu Künstlerinnen.

2001 – 2005

Die Unternehmensidee zum Zweck der „Wirtschaftsförderung von Frauen“ wird aufgegeben. Der Verein, der sich nun „Beginen e.V.“ nennt, zieht sich aus dem öffentlich-politischen Raum zurück. Die Frauen wenden sich mit großem Interesse den historischen Beginen zu und suchen bei ihnen Modelle für das eigene Leben. Spiritualität wird ein wichtiges Thema. Veranstaltungen, die Beziehungen und Gemeinschaft fördern sollen, werden angeboten. Die Idee des Beginenhofes entsteht. Es bildet sich eine „Wohnprojektgruppe“, die ein differenziertes Beginenhof-Wohnkonzept entwickelt. Ein Bauplatz wird gefunden in Köln-Ostheim und ein Investor.
Der Verein (ab jetzt „Beginen Köln e.V.“) feiert sein 10jähriges Bestehen mit 80 Mitfrauen.
Die Verbundenheit mit den mittelalterlichen Beginen sowie Spiritualität und Gemeinschaft als Werte bleiben prägend für die weitere Entwicklung.

2005 – 2009

Nachdem die Beginenhofidee vorerst als nicht realisierbar aufgegeben wird und fast die Hälfte der Mitfrauen ihre Mitgliedschaft aus diesem Grund kündigen, richtet sich die Aktivität des Vereins vermehrt und intensiv auf Fragen nach dem Selbstverständnis, auf die Optimierung der Aufgabenerfüllung, auf die Veränderung der Vereinsstrukturen. Die Frauen erarbeiten ein Konzept, in dem der Verein sich gesellschaftspolitisch-sozial und kulturell in öffentlichen Veranstaltungen nach außen präsentiert und in gemeinschaftsfördernden und spirituellen Angeboten beginenintern nach innen wirkt. Beide Wirkrichtungen werden als gleich wichtig erachtet.

2009 – 2013

Nach dieser Phase der Ruhe und Stabilisierung bietet sich plötzlich und unerwartet die Möglichkeit, einen Beginenhof in einem neu entstehenden Wohnbebiet in Köln-Widdersdorf zu bauen. Nach der Entscheidung nehmen uns die Herausforderungen hinsichtlich Finanzierung, Planung und der anschließende Bauprozess ganz in Anspruch.
2011 erfolgte die Gründung einer eigenen Genossenschaft, die als Bauherrin die unternehmerischen und geschäftsbezogenen Aufgaben im Planungs- und Bauprozess übernimmt.
Ende 2013 ziehen die ersten Frauen in den Beginenhof ein.
Vereinsintern beschert uns der Bau des Beginenhofes einen fast 50%igen Mitgliederzuwachs. Das Beginenfenster in der Markmannsgasse bleibt dem Verein erhalten und wird neu gestaltet.

2014 – 2020

Leben mit dem Beginenhof – Quantensprung in der Vereinsentwicklung

Im Januar 2014 stellen sich die Kölner Beginen im neuen Beginenhof vor. 27  Vereinsfrauen sind dort eingezogen. Vereinssitz und Geschäftsstelle werden von der Markmannsgasse in den Beginenhof verlegt. Der Verein wird Mieterin der Gemeinschaftsräume (Beginentreff und Raum der Stille) und startet mit seinem erweiterten Veranstaltungsangebot „Begegnung und Kultur“.
Die offizielle Eröffnungsfeier des Beginenhofes, anlässlich des 20jährigen Bestehens des Beginen Köln e.V. findet im Oktober statt.

2015 wurde das Beginenfenster, das zwei Jahre wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war, wieder eröffnet. Wichtigste Aufgabe: Die Neugestaltung und Wiederbelebung als autonomer zweiter Vereinsraum und Veranstaltungsort neben denen im Beginenhof – vor allem für die Mitfrauen, für die der Beginenhof schwer erreichbar ist.

2016 war auch das Jahr der Flüchtlingsinitiativen: Einrichtung eines 14tätigen Cafés für Flüchtlingsfrauen und deren Kinder im Beginentreff in Zusammenarbeit mit der Initiative „Widdersdorf hilft“. Eine nigerianische Flüchtlingsfrau konnte mit ihrem Kind im Gäste-Appartement des Beginenhofes für zwei Jahre untergebracht werden.

2016 war auch das Jahr des Strukturwandels im Vorstand und Verein: Abbau der hierarchischen Vorstandsstruktur: Der Vorstand setzt sich nun aus einem Team von sechs gleichberechtigten Frauen zusammen. Die Aufgaben des Vereins werden in sechs Kernbereiche aufgeteilt. Jeder Kernbereich ernennt eine Frau für für den Vorstand, die sich in der Mitfrauenversammlung zur Wahl stellt. Die Kernbereiche arbeiten mit größtmöglicher Autonomie. Im September 2016 findet der Workshop „Strukturwandel“ mit einer externen Moderatorin statt. Die Vereinsfrauen werden über den Wandel  informiert und in den Prozess mit einbezogen.
Im November 2016 wird die neue Struktur auf der Basis einer geänderten Satzung in der Mitfrauenversammlung am 20.11.2016 mit großer Mehrheit angenommen.

Das 1. Vorstandsteam in unserer Vereinsgeschichte:  Anju Brendel (KB Verwaltung)
Ursula-Christine Fröhlich (KB Soziales Engagement) Rita Gabor (KB Finanzen)
Karola Kilens (KB Mitfrauen und Interessentinnen) Christine Müthrath (Kernbereich Veranstaltungen). Die Kernbereichsgruppen erarbeiten ihre jeweiligen Konzepte.

2018 wird die Zukunftswerkstatt mit dem Ziel der Neuorientierung und Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Verein und Genossenschaft gegründet. Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer zukunftsweisender Perspektiven.  Das „Beginenfenster“ wird ein neuer Kernbereich. Das Fenster ist und bleibt der Ort für unsere traditionellen „Trödelmärkte“, die durch einen Bücher-Basar im Sommer erweitert werden. Auch vielfältige Veranstaltungen finden hier wieder Resonanz.

Aufgrund der tiefgreifenden Veränderungen im Innen und Außen, die bis heute wirken, stellten diese ersten 5 Jahre des Lebens mit dem Beginenhof die bisher größte Herausforderung für den Verein dar. Mit viel Mut, Engagement und Risikobereitschaft nutzten wir die einmalige Chance für eine erhebliche Erweiterung unserer öffentlichen Angebote. Hierzu war es nötig, unser Verständnis von „sozialem Engagement“ und unsere bisherige Denkweise über die Verwendung unserer Spendeneinnahmen zu ändern: Statt der finanziellen Unterstützung von sozialen Projekten anderer Organisationen mit Hilfe unserer ehrenamtlich akquirierten Spendengelder starteten wir nun selbst aktiv unser Veranstaltungsprojekt „Begegnung und Kultur“ mit dem Ziel einer „ideellen“ Frauenförderung. Wir erwirtschafteten damit auf geschäftlichem Weg die Kosten, die wir für die Nutzung der Vereinsräume aufbringen mussten.

Die Sorge um die Refinanzierung, die vom Verein aufzubringende Anschubfinanzierung, die enorme Arbeitsbelastung verbunden mit den gruppendynamischen Schwierigkeiten der Anfangsphase im Beginenhof sowie die Tatsache, dass viele Vereinsfrauen dem Paradigmenwechsel nicht zustimmen konnten, stellten in den ersten Jahren eine große Belastung dar.

Die 27jährige Geschichte des Beginen Köln e.V. zeigt aber, dass wir immer wieder neue Wege gefunden haben, um unsere Ideen in die Welt zu bringen und um uns den Anforderungen unseres Zusammenlebens und des gesellschaftlichen Wandels zu stellen. Daher blicken wir mit großer Zuversicht in die Zukunft.